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Die Donau als Chance

Mit der Landesgartenschau 2014 ergreift Deggendorf eine Riesenchance: Die Stadt rückt wieder näher an die Donau, der sie sich jahrzehntelang wegen Hochwassergefahr fern gehalten hatte. Über die Grenzen der Landesgartenschau hinaus wird ein Gesamtkonzept für das Donauufer entwickelt. Zugleich werden Perspektiven aufgezeigt, die die Stadt nachhaltig positiv beeinflussen.

Für die Landesgartenschau Deggendorf 2014 wird das Gelände vom Stadthallenpark bis zur Donau landschaftsräumlich neu strukturiert. Unter dem Motto „Brückenschlag Donau - Ufer verbinden, Grenzen überwinden" wird die Innenstadt über Parkbereiche mit der Donau und der neuen Fuß- und Radwegbrücke zum gegenüberliegenden Donauufer verbunden.

 

 

Fußgänger- und Radlerbrücke


Die Fuß- und Radwegebrücke neben der neuen Eisenbahnbrücke

Herzstück der Landesgartenschau ist der neue Brückenschlag. Bislang können Fußgänger und Radfahrer die Donau lediglich über die viel befahrene Maximilianstraße passieren. Um das Stadtgebiet weiter zu vernetzen, wird nun auf der Trasse der alten Eisenbahnbrücke diese neue Verbindung entstehen. Damit rücken die  Stadtteile Fischerdorf und Natternberg näher an die Stadt und auch  Gäuboden und Bayerischen Wald wachsen stärker zusammen. Mit 456 Metern ist die neue Geh- und Radwegbrücke über die Donau eine der längsten in ganz Europa - nichts von der Stange, sondern jeder Zentimeter Qualitätsarbeit.

Es  handelt sich um ein Sechs-Feld-Bauwerk mit bis zu 106 Metern Stützweite, bis zu 8,50 Meter hoch und vier Meter breit. 840 Tonnen Konstruktionsstahl und 1500 Kubikmeter Beton werden verbaut, außerdem 380 Meter Pfähle gebohrt. Dazu kommen 14 Kilometer Holzbohlen für den Belag aus Lärche, der so verlegt wird, dass man keine Entwässerung braucht.

 

 

Die neue Brücke im Detail

Stadthallenpark

Der neue Stadthallenpark bildet das Bindeglied zwischen der Stadt Deggendorf und der Donau. Zwischen den klaren Raumkanten der Stadthalle, der Fachhochschule und des Hotels wird er als städtischer Park in Anlehnung an seine heutige Funktion gestaltet. Eine großzügige Terrasse vor der Stadthalle markiert den Eingangsbereich von der Stadt in die neuen Parkbereiche an der Donau.

Der Stadthallenpark wird mit einer intensiven Uferbepflanzung am Teich, einem das Ufer begleitenden Pfad und einem kleinen Holzsteg sowie mit einem Spiel- und Freizeitbereich (Boule/Tischtennis) aufgewertet.

 

Der neu gestaltete Eingangsbereich zur Stadthalle 2

Donaupark

Der neue Donaupark Ost zeichnet sich als eigenständiger, landschaftlicher Uferpark zwischen der Werft und dem Campingplatz ab. Er befindet sich direkt vor dem Deich. Mit verschiedenen Maßnahmen, wie den Plätzen und Stufen an der Anlegestelle, den Terrassen an der Bogenbachmündung und der Schaffung eines Stadtstrandes, wird die Donau in den Park einbezogen und erlebbar gemacht. Die Donaupromenade bildet die zentrale Erschließungsachse des Donauparks. Städtebauliches Ziel ist die Errichtung der Promenade in direkter Verlängerung der Edlmairstraße als grüner Zubringer von der Stadt zur Donau.


Der für die Donauschifffahrt benötigte Buswendeplatz wird südlich der Bahnböschung platziert und fängt den motorisierten Verkehr gleich hinter der Edlmairstraße ab. Der Buswendeplatz soll auf Grund seiner seltenen Inanspruchnahme gleichzeitig als multifunktionaler Freizeitplatz mit Streetballnutzung und ggf. ähnlichen Einrichtungen fungieren. In westlicher Verlängerung werden weitere Angebote für Bewegungssportarten geschaffen. Die städtische Anlegestelle verbleibt an ihrer heutigen Position und dient in Zukunft als Hauptanlegestelle der Ausflugsschifffahrt. In der Nähe der Anlegestelle befinden sich die Promenadengärten. Sie kennzeichnen den Beginn der Donaupromenade. Durch eine Platzsituation wird ein direkter Bezug zum Wasser hergestellt.

 

 

Treppen und Trittsteine über den Bogenbach

 

Die Aufweitung des Bogenbachs mit den terrassenartigen Nutzflächen und ein Strandbereich westlich der Autobahn ermöglichen besondere Aufenthaltserlebnisse am Wasser. Mit dem Weidenversteck wird ein Spielplatz in einer naturnahen Landschaft errichtet. Ein kleiner Platz markiert die Wegeverbindung zu den Deichgärten. Die hier bestehende Anlegestelle der Ausflugsschifffahrt verbleibt als Ausweichanlegestelle, im Falle der Anwesenheit eines Kabinenschiffs an der Hauptanlegestelle.

 

 

Weidenversteck im Donaupark Ost

Östlich der Autobahn wird auf den Flächen um den bestehenden Ringdeich ein besonderer Spielplatz in einer naturnahen Landschaft errichtet. Die Vegetation die sich innerhalb des Deiches entwickelt hat, ist charakterisiert durch große Weiden sowie eine Strauch- und Röhrichtschicht. Dieser Charakter soll durch Ergänzungen erhalten bleiben und den Rahmen für das Spielerlebnis bieten. Ein Holzsteg führt den Besucher durch das Weidenversteck. Er wird in unterschiedlicher Weise gestalterisch modifiziert, so dass bei dessen Überquerung unterschiedliche Bewegungsarten, wie Balancieren, Kriechen, Hindernisse überwinden angewandt werden können und müssen. Der Steg besitzt eine Höhe von maximal 50 cm und liegt ohne eine zusätzliche Absturzsicherung frei in der Fläche. Abseits des Steges befinden sich in Anlehnung an die naturnahe Umgebung gestaltete Spielorte wie Baumhäuser, Weidenverstecke und ein Vogelnest aus Materialien mit einer naturbelassenen Anmutung wie Holz und lebenden Weiden. Das Weidenversteck soll in einer naturnahen Umgebung zum Experimentieren, Entdecken und zum gemeinsamen Spielen einladen. Dabei sollen alle Sinne angeregt werden, um Kinder und Jugendliche in ihrer motorischen sowie psycho-sozialen Kompetenz zu fördern.

 

 

Das Weidenversteck

Deichgärten

Der neue Donaudeich auf dem linken, städtischen Donauufer mit der darauf verlaufenden Deichpromenade ist künftige Haupterschließungsachse für den Fußgänger- und Radwegeverkehr in Ost-West-Richtung und ein wirkungsstarkes städtebauliches Ordnungsmittel. Über eine Länge von ca. 1,7 Kilometer erstreckt sich der neue Deich künftig in gerader Linie von der Edlmairstraße bis zum Ausbauende der Deichrückverlegung im Nordwesten und bildet den Abschluss der Innenstadt hin zur Donau. Sowohl vom Wasser als auch vom Land her wird der Donaudeich zu einem prägenden Element im Stadtbild.

Kern der Planungsideen für die Landesgartenschau 2014 sind die so genannten Deichgärten. Die Deichgärten bzw. die Deichpromenade erschließen das Gelände in Verlängerung der Fachhochschule als urbanes Glied und stellen mit einer intensiven Bepflanzung das zentrale Element der städtebaulichen und landschaftsräumlichen Erneuerung dar. In Form eines Gartenbandes bedecken die Deichgärten als Artefakt das neue Parkdeck südlich der Ackerloh. Hier können Fußgänger und Radfahrer Stadt und Fluss in einem Bild zusammengefasst erleben. Gleichzeitig soll durch die Deichgärten die trennende Wirkung des Deiches nach Norden und Süden hin aufgehoben werden.

Die Deichgärten präsentieren sich als eine Landschaft aus bewegten Pflanzflächen in einer dem Wasserfluss nachempfundenen Topographie. Sie variieren in der Höhe zwischen 0-90cm und sind mit Cortenstahl gefasst. Zum Teil sind die Flächen begehbar und als Rast- und Spielbereiche zu nutzen. Die Bepflanzung variiert zwischen Rasen, intensiver Begrünung unterschiedlicher Themen (Stauden, Wechselflor, Gräser) und Kleinbäumen / Großsträuchern mit Unterpflanzung. Partiell werden Großbäume gepflanzt. Unter der Autobahn ist ein Kiesgarten mit Steinen geplant. Die Wege besitzen unterschiedliche Breiten und weiten sich zu Plätzen aus. Lange Bänke entlang der Pflanzflächen schaffen besondere Orte.

Die Deichkrone ist gemäß dem städtebaulichen Konzept in den westlichen und östlichen Anschlussbereichen mit einer Baumreihe versehen. Diese Baumreihe wird im Bereich der Deichgärten zwischen der Hauptwegeverbindung und den Gärten weitergeführt und kennzeichnet eine ca. 9,7m breite Zone, die zum Flanieren einlädt. In dieser Zone ist die Gitterrostabdeckung des Licht- und Lüftungsschachts des Parkdecks mit einer Breite von ca. 2m integriert. Diese Zone bindet ebenfalls die neue Anliegerstraße sowie die Regionalbahngleise ein. Zwei Stufen, parallel zum Wegeverlauf angeordnet, überbrücken den für das Parkdeck notwendigen Höhenausgleich und führen auf die Deichgärten. Für die barrierefreie Erschließung sind Rampen in die Stufenanlagen integriert. Der Bereich zwischen Deichpromenade und Deichgärten erhält am östlichen Ende eine Aufweitung
entsprechend des Verlaufs des Parkdecks. Hier sind Spiel- und Sportangebote in unterschiedlichen Räumen geplant, die durch einen Baumhain gegliedert werden, der an die Baumreihe der Deichpromenade anschließt. Das westliche Ende der Deichpromenade und der Deichgärten wird ebenfalls durch einen Platz mit Baumhain markiert. Im Bereich zwischen Industriebahn und der Regionalbahntrasse befindet sich ein Obstbaumhain, neben dem auch die verlagerte Bogenschießanlage Platz findet.
Robuste Picknickmöbel laden zum Verweilen ein. Gegenüber der großen Freitreppe ist eine Terrasse mit Blick auf die Donau geplant, die über großzügige Trittplattenflächen von der Deichpromenade aus erschlossen wird. Östlich der Terrasse findet sich zwischen Bäumen das „Donauspiel“, das die Deichgärten hinsichtlich der Nutzungen ergänzt.

 

Der Blütenfluss zieht sich durch die Deichgärten
 
 

Gegenüber einer großen Freitreppe entsteht eine Terrasse mit Blick auf die Donau. Westlich der Terrasse findet sich zwischen Bäumen das „Donauspiel“. Im Bereich zwischen Industriebahn und der Regionalbahntrasse ist Platz für einen Obstbaumhain.

Donauspiel entlang der Deichgärten

Zwischen der Deichpromenade und dem Gleisbogen erstreckt sich das Donauspiel, ein großzügiger Spielbereich, der neben besonderen Spielereignissen thematisch die Anrainerstaaten der Donau präsentiert und kulturelle Besonderheiten zur Schau stellt.
Ein geschwungenes, blaues Band aus elastischem Kunststoff (EPDM) bildet das zentrale Element und symbolisiert die Donau, den zweitlängsten Fluss unseres Kontinents. Das Band ist in variierenden Höhen, Neigungen und Ausdehnungen in das Geländeniveau eingelassen und bildet einen Parcours zum Rennen, Tollen, Springen und Sitzen. An diesem Band reihen sich punktuelle Spielbereiche mit verschiedene Aktions- und Bewegungsmöglichkeiten an, die thematisch und gestalterisch wichtigen Städten der einzelnen Anrainerstaaten zugeordnet sind. Große Städte werden mit besonderen Spieltürmen hervorgehoben. Den Mündungsort, das Schwarze Meer, bildet ein Wasserspielplatz mit einem großen Planschbecken nach. Der gesamte Spielbereich ist in einen Birkenhain gebettet, der die heitere Atmosphäre des Ortes unterstützt. Während der Gartenschau können und sollen die Anrainerstaaten auf dem Spielplatz eine Plattform erhalten, sich den Gartenschaubesuchern zu präsentieren. Dies kann mit Ausstellungsbeiträgen in und um die den Städten zugeordneten Spielbereiche, aber auch mit einer Beteiligung an der Ausgestaltung der Spielbereiche erfolgen. Der Spielbereich Donauspiel soll in einer naturnahen Umgebung zum Experimentieren, Entdecken und zum gemeinsamen Spielen einladen. Dabei wird vor allem das interaktive, gemeinsame Spiel gefördert und mit dem Wasserspielplatz ein besonderes Highlight angeboten.

 

Vorplatz Deichgärten

Vor der Fassade der Parkgarage ist eine Platzfläche aus Asphalt mit Beeten, die die Fläche auflockern und strukturieren, geplant. Im Übergang zur Ackerloh schließen sich Bereiche in Schotterrasen an, die eine Ausweitung der auf der Ackerloh stattfindenden Veranstaltungen zulassen. Drei Wege verbinden die Ackerloh mit den Vorplatzbereichen. Korrespondierend zur gelb- und grün schattierenden Parkdeckfassade wurden Baumarten mit einer lichten Baumkrone und frischen Grüntönen gewählt. Mehrstämmige Großsträucher in den Beeten strukturieren und unterstützen den interferierenden Charakter der Fassade der Parkgarage.

 

Der Vorplatz zu den Deichgärten in der Ackerloh

Städtebauliche Bedeutung

Mit der Landesgartenschau können schon seit langer Zeit bestehende städtebauliche Ziele wie ein weiterer Donauübergang für Fußgänger und Radfahrer, die Aufwertung des städtischen Donauufers, eine vernünftige und attraktive Führung von Fußgänger und Radfahrern - vor allem auch touristisch bedeutsamer Fernradwege - auf dem Donaudeich sowie die Verbesserung des Parkplatzangebots in der Ackerloh umgesetzt werden. Mit dem Donaupark erhält Deggendorf ein zentrales Naherholungsgebiet am Wasser. Konnten Bürger und Touristen die Donau bislang nur punktuell erleben, so wird der Fluss mit dem Donaupark und der zweifachen Erschließung über die Fluss- und die Deichpromenade Teil der innerstädtischen Struktur.

Zudem hat die Landesgartenschau weitere Maßnahmen in deren Umfeld ausgelöst, die von ausgesprochener Bedeutung für die Stadt Deggendorf sind. Hier seien beispielhaft - nach der Erteilung des Zuschlags für die Landesgartenschau durch den Freistaat Bayern - die Erweiterung der Hochschule Deggendorf sowie das Vorziehen der Fertigstellung des 100-jährigen Hochwasserschutzes am rechten Donauufer für die Stadtteile Fischerdorf und Natternberg genannt. Somit kommen alle Maßnahmen im Zuge der Landesgartenschau den Deggendorfern und ihren Gästen gleichermaßen zu Gute.